Obstwein (Beispiel Kirschwein)
Als Jugendlicher habe ich mich dafür interessiert, wie man Schnaps destilliert - bevor jetzt gleich jemand den Zeigefinger hebt:
Das Destillieren für den Hausgebrauch zum Selbstverzehr ist in Deutschland gestattet, sofern man sich dafür an die Bestimmungen
hält: der Destillierbehälter darf nicht mehr als 500ml Flüssigkeit fassen, der erzeugte Obstbrand darf nicht verkauft werden.
Als Voraussetzung für die Schnapsherstellung ist es erforderlich, erst mal eine alkoholhaltige Flüssigkeit zum Destillieren zu
bekommen. Also begann ich damit, aus allem was ich finden konnte Wein herzustellen.
Mit der Zeit lernte ich, aus welchen Früchten man mit wenig Aufwand und Geld sehr hochwertige und gute Fruchtweine herstellen
kann, die viel besser sind als alles, was im Handel zu kaufen ist - dabei blieb ich auch, denn süßer Wein schmeckt mir besser
als harter Brand.
Nach wie vor kommt es aber gelegentlich noch vor, das ich aus den Rückständen der Weinherstellung noch
ein Gläßchen Obstler brenne.
Mancher Wegbegleiter fragte sich, ob das was ich da gebraut habe auch "sicher" ist, und ich kann mit Stolz behaupten, wenn man
sich an ein paar einfache und logische Regeln hält, kann nichts passieren.
Zu Anfang habe ich ein einfaches und wohlschmeckendes Rezept für Kirschwein ausgewählt. Bevor ihr euch aber daran wagt, lest
bitte auch die Hinweise zu dem Rezept und beachtet sie ganz genau, sonst kann die ganze Mühe umsonst sein - dann wird es
im Wahrsten Sinne ESSIG mit dem Wein...
Zutaten:
5 Liter Saft von Süßkirschen
2 Liter Saft von Sauerkirschen
2,5 Liter Wasser
2,5 Kilo Zucker
1 Pck. Reinzuchthefe "Portwein"
wenn vorhanden:
4 g Hefenährsalz
Werkzeuge:
1 Gährbehälter/Ballon 15L
1 Gähraufsatz/Verschluss
1 Trichter
1,5m Schlauch (Lebensmittelecht)
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Andy's Kirschwein
Der Fruchtsaft muss aus frischen Früchten hergestellt werden, es dürfen keine Würmer oder faulen Stellen vorhanden sein.
Beim Saften der zuvor gewaschenen Früchte muss man unbedingt vermeiden, das sich Fruchtfliegen an den Saft oder die Früchte
setzen, denn Fruchtfliegen tragen ein Bakterium an den Füßen, die den Wein verderben lässt.
Zunächst wird der Zucker mit dem Wasser vermischt - nimmt man lauwarmes Wasser, löst sich der Zucker besser auf, je mehr
Zucker bereits im Wasser aufgelöst ist, desto besser. In die handwarme Zuckerlösung rührt man nun die Hefe (und wenn
vorhanden das Hefenährsalz) ein.
Die Zuckerlösung und den Kirschsaft gibt man nun in ein 15 Liter Gährgefäß. Da die Mischung beim Gähren schäumen kann
braucht man oben also Platz für den Schaum, sonst gibt es eine Sauerei. Das Gährgefäß wird mit einem Gährröhrchen
(Wassergefüllt) verschlossen, hier gibt es verschiedene Versionen, ich verwende die geschlungenen Röhrchen oder die
Zylinder die auch im ersten Bild zu sehen sind - jetzt heißt es warten und beobachten.
Nach einigen Stunden wird aus dem Gärröhrchen Luft entweichen, es "blubbert". Das ist ein Zeichen dafür dass die Gährung
einsetzt. Nach einiger Zeit bildet sich eine Schaumschicht auf der Oberfläche, und Fruchtbrei setzt sich in Schichten
auf dem Grund ab.
Nun ist es an der Zeit, den Gährbehälter vorsichtig zu schwenken, damit sich die Schichten wieder vermischen und der
noch nicht aufgelöste Zucker vom Boden sich weiter in der Flüssigkeit verteilen kann. Das macht man 7-10 Tage lang ein mal
täglich.
Nach dieser Zeit muss der Wein sich absetzen, man lässt ihn also in Ruhe und beobachtet, wie sich die verschiedenen
Schichten allmählich wieder absetzen. Nun sollte das Blubbern schnell stark nachlassen und die obersten Schichten sollten
fast klar erscheinen. Das sollte ungefähr ab dem 20ten Tag passieren. Nun muss man das Gute vom Mulm trennen, also die
ganz unterste Schicht die wie Schlamm oder Staub auf dem Boden liegt abtrennen. Das geht nur, wenn man mit einem Schlauch
vorsichtig das obere "gute" absaugt und erst mal zum Beispiel in einen Wasserkanister umfüllt.
Den Schlamm von unten kann man wegschütten, Filtern - oder destillieren wenn man eine legale Destille besitzt.
Das Gute füllt man nun wieder in den zuvor gereinigten Gährbehälter, jedoch nicht, ohne zuvor mal einen Schluck probiert
zu haben, denn noch kann man nachsüßen! Ist der Wein zu sauer, kann man noch mit Zucker nachsüßen, das setzt die Gährung
wieder in Gang bis ein bestimmter Alkoholgehalt erreicht ist. Je höher der Alkoholgehalt, desto mehr Hefebakterien und damit
Trübstoffe sterben ab und sinken zu Boden - der Wein "klärt" sich.
Ist die Flüssigkeit nahezu klar, so kann sie abgesaugt und getrunken werden - je klarer der Wein ist desto besser. Manche
Weine klären nicht von selbst ab, man kann versuchen, Klärmittel einzusetzen oder was ich bevorzuge, den Wein in den
Kühlschrank stellen, bis die Hefe komplett abgesunken ist.
Zur Haltbarkeit:
Weine aus dem Supermarkt sind viel länger haltbar als selbstgemachte Weine, das liegt daran das bei der Klärung des Weins
immer etwas lebende Hefe zurück bleibt und der Wein weiter arbeitet. Will man das verhindern, muss man alles im Wein
abtöten. In der Weinherstellung macht man das, indem man dem fertigen Wein 1g Schwefelpulver auf 10 Liter zugibt. Jeder
Wein aus dem Handel enthält den Hinweis "enthält Sulfite" was nichts anderes als Schwefel ist - Schwefel löst bei
empfindlichen Menschen manchmal Kopfschmerzen aus, also kann man sagen, das eher der Schwefel im Wein einen Brummschädel
verursacht als der Alkohol.
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Arbeitszeit ca.45 Minuten
Gährzeit ca.3-4 Wochen
Haltbar ca.6-24 Monate
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Noch ein paar Tipps für diejenigen, die sich noch nicht sicher sind ob sie es probieren wollen oder nicht:
meinen ersten Wein habe ich ohne teure und aufwendige Ausrüstung gemacht, das kann jeder, und das geht so...
Man kaufe einen 5 Liter Kanister destilliertes Wasser ohne Zusätze, schüttet das Wasser aus, rechnet die Mengenangaben aus
dem Rezept auf eine 3,5 Liter Mischung herunter und füllt sie in den Kanister.
Dann legt man ein Papierküchentuch vierfach, und befestigt es mit einem Gummiband auf der Kanisteröffnung, so das keine Tiere
hinein fliegen können aber die Luft entweichen kann - fertig.
Gährbehälter sollten nicht direktem Licht ausgesetzt werden, bei einer konstanten Temperatur zwischen 10 und 18 Grad stehen
und so verschlossen sein, dass die durch die Gährung entstehende Kohlensäure entweichen kann, aber keine Luft und besonders
keine Fliegen an den Wein gelangen.
Die entweichende Kolensäure riecht je nach Weinsorte mehr oder weniger angenehm fruchtig und lockt verstärkt Fruchtfliegen
an. Das entweichende Gas (CO2 = Kohlensäure wie im Sprudelwasser) ist in der entstehenden Konzentration ungefährlich, anders
als in den Kellern eines Weingutes wo Fass an Fass steht und kein Lüftchen geht reicht ein Gährballon im Keller nicht aus,
um eine gefährliche CO2 Konzentration zu erreichen.