Roter Rhabarber


Der Rhabarber, auch Gemüse-Rhabarber oder Krauser Rhabarber (Rheum rhabarbarum) ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Die geschälten oder ungeschälten Blattstiele werden zumeist zu Kompott oder in Verbindung mit Erdbeeren zu Marmelade verarbeitet.

Rhabarber Der Rhabarber ist eine ausdauernde Pflanze und bildet dicke, unregelmäßige Rhizome. Oberirdische Teile sterben im Herbst ab. Die Ruhephase beginnt im August und September. Der Wiederaustrieb erfolgt im Frühjahr mit unterirdischen Knospen. Je nach Sorte ist der Stiel durch Anthocyane mehr oder weniger stark rot gefärbt.
Die Blätter enthalten giftige Oxalsäure, die bei rohem Verzehr Erbrechen und Kreislaufstörungen verursachen können.

Der Blütenstandsspross ist bis zu zwei Metern hoch. Die Blüte erfolgt zwischen Mai und Ende Juni. Die cremefarbenen Blüten stehen in einer Rispe. Für die Blütenbildung ist ein Kältereiz nötig (Vernalisation), der Temperaturen unter 10 °C für eine Dauer von 12 bis 16 Wochen erfordert. Die Blüten sind unscheinbar, meist zwittrig und werden fremdbefruchtet. Die Früchte sind einsamige und dreiflügelige Achänen. Der Samen ist 7 bis 10 Millimeter lang, die Breite beträgt 6 bis 8 Millimeter.

Nach der Keimung bildet Rhabarber eine Primärwurzel, die sich zunächst zu einer fleischigen, dicken Rübe entwickelt, welche recht kurzlebig ist. Der Primärspross entwickelt sich im zweiten Jahr zu einer Knolle, in den folgenden Jahren verdicken auch die Seitenachsen und es entstehen Sekundärknollen um die inzwischen weitergewachsene Primärknolle. Es entstehen derart 25 bis 30 verdickte Sprossachsen.

Für den Anbau sind mittelschwere, tiefgründige und gut wasserhaltende Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,6 und 7,2 am besten geeignet. Die klimatischen Ansprüche des Rhabarber sind bescheiden, er hat lediglich einen recht hohen Wasserbedarf. Die Flächen für den Anbau müssen frei von Nematoden und Wurzelunkräutern sein. Günstig ist der Anbau nach einem Wiesenumbruch. Nach einem Rhabarber-Anbau ist eine Pause von sieben Jahren bis zum nächsten Anbau einzuhalten. Sorten unterscheiden sich vor allem durch innere und äußere Stielfarbe, Wuchslänge, Stieldicke und Zeitpunkt des Austriebs und der Ernte.

Im Freiland erfolgt die erste Ernte im zweiten Jahr nach dem Setzen. Die Kultur dauert meist fünf bis sechs Jahre. Hier wird nur bis etwa Ende Mai geerntet, in den Folgejahren bis Ende Juli. Die händische Ernte für den Frischmarkt erfolgt oft alle acht bis 14 Tage, Ernte für die Verarbeitungsindustrie oft nur zweimal pro Saison. Die jungen Blütenstände werden bei der Ernte der Blätter abgebrochen, um den Ertrag zu erhöhen.

Nutzung
Rhabarber Die Blattstiele werden - je nach Sorte und Alter der Stiele - geschält und meist geschnitten weiterverarbeitet. Rhabarber gilt wegen seiner Zubereitung gemeinhin als Obst, obwohl er eigentlich zu den Gemüsen zählt. Die bekanntesten Zubereitungen sind Konfitüren und Kompott, beides auch in industriellem Maßstab, sowie Kuchen. Darüber hinaus wird Rhabarber auch zu Saft oder Most verarbeitet. Eher selten wird Rhabarber als Gemüse verwendet. Beliebt ist Rhabarber wegen seines erfrischenden, pikant-säuerlichen Geschmacks und des geringen Kaloriengehalts.

Mit einem kleinen Trick kann man den Nutzen und Geschmack des Rhabarbers noch verbessern: sobald sich die ersten Spitzen des Rhabarbers aus der Erde trauen, deckt man diese mit einem großen lichtundurchlässigen Eimer einfach ab (siehe Bild). Die Pflanze "denkt" sie wäre noch unter der Erde und steckt ihre Wachstumsenergie verstärkt in die Blattstiele, die so schnell um einiges länger werden als normal und recht zart und saftig bleiben.
Die Entwicklung des Blattes bleibt dagegen zurück, sie setzt erst ein, wenn viel Licht auf den Rhabarber fällt. Hat der Stängel also die maximale Wuchshöhe erreicht, kann der Eimer entfernt werden. Innerhalb weniger Tage wachsen nun auch die grünen Blätter auf ihre normale Größe.
Erst jetzt etwickelt die Pflanze in den sehr langen Stängeln den typischen süß-sauren Geschmack und die Stängel verholzen nicht so stark...

(Das oberste Bild zeigt die Entwicklung der selben Pflanze ohne die Eimer-Methode, das untere Bild die Entwicklung mit der Eimer-Methode.)

Auf Grund des Säuregehaltes ist es wichtig zu wissen, das eine Zubereitung oder Lagerung keinesfalls in Gefäßen mit Aluminiumanteil erfolgen darf, da die Säure mit diesem Metall reagiert und giftige Substanzen freisetzen kann!